30 Jahre Gerhart-Hauptmann-Museum
waren uns Anlass genug, die hier ausgewählten
Texte in einer kleinen Schau für den Leser
zugänglich zu machen.
Das Buch wird eine Quelle für all diejenigen sein,
welche auf überschaubarem Raum die Darstellung
unterschiedlichster Themen und Genres bevorzugen.
Denn, so verschieden die Schreibenden sind,
so individuell sind auch die Inhalte und Darbietungen.
Neben aktueller politischer Prosa wird dem Leser
auch Persönliches begegnen; Gedankensplitter,
Assoziationen, Beobachtungen oder kurze
Beschreibungen des Alltags.
Weil aber ein Buch auch immer die Gelegenheit bietet,
Bildhaft-Sinnliches zu zeigen, sind Grafiken und Bilder
einiger Mitglieder der Schreibwerkstatt mit in die
Veröffentlichung eingeflossen.
Wer länger durch dieses Buch blättert, wird immer wieder Neues entdecken.





An dieser Stelle präsentieren wir einige Auszüge
aus diesem Buch.
Zwei Kreise im Wind

bewegen sich im Wasser

Blätter entstehen
Als Mattes Heitkämper das Haus verließ, deutete noch
nichts auf das Spektakel hin, das er heute zum ersten
Mal mit eigenen Augen sehen wollte. Nur, wenn er sich
sehr darauf konzentrierte, nahm er hier und da
vereinzelt schon die Farben wahr, um die es heute ging:
Blau und Weiß. Je näher er dem Stadtzentrum kam,
desto mehr verdichteten sich diese Farben zu einer
unruhigen, lauten Masse. Das war also der Schwarm.
Der dumme Schwarm! Er war ein Hai.
Mit den Schwarmfischen verband ihn nur eine
Gemeinsamkeit: das Wetten auf Fußballspiele.

Am U-Bahnhof Zoologischer Garten fing der Schwarm an
zu rasen. Aus allen Himmelrichtungen strömten trotz
einer klirrenden Kälte Menschen zusammen: singend,
brüllend, pöbelnd. Viele mit einem Bier in der Hand,
und alle in Blau und Weiß. Rein statistisch musste ein
guter Teil dieser Menschen heute eine Wette platziert
haben – vermutlich auf Heimsieg.
Er hatte auf Heimniederlage gesetzt.
Der Schwarm drängte in die überfüllten Züge und riss
ihn mit.

Der Schwarm platziert seine Wetten nach Gefühl.
Das ist das bedauerlich Dumme an dem Schwarm – und
mein Gewinn, dachte sich Mattes Heitkämper und
beobachtete die überdrehten Fans. Er versuchte, sich ein
Bild von den Menschen zu machen, die jetzt mit ihm in
diesem Zugabteil waren. Eine nach außen drängende
innere Erregung schien ihnen allen gemein zu sein.
Manche sangen, andere beobachteten verklärt lächelnd
dieses Singen. Er war der Einzige, der äußerlich
unbewegt blieb. Seine Gedanken wanderten in die Ferne.

Der Hai
Auszug aus einer Kurzgeschichte von Stefan Suchalla
Haiku und Grafik "Kreise"
von Doris Buhss
„Es gibt viele Meinungen, aber nur ein Meiningen. Wie viele über mich herzogen – ich kenne nur einen Herzog.“
Diese Worte stammen von einem Jubilar des Jahres 2013, von Richard Wagner. Er weilte in dieser südthüringischen Stadt und „borgte“ sich sogar im Jahr 1876 Musiker der Meininger Hofkapelle für die Bayreuther Festspiele aus. Bis heute gehört dieser Klangkörper zu den besten Orchestern Mitteldeutschlands. Davon wird noch zu schreiben sein.
Meinungen
Auszug aus einem Text von Elfriede Böhm
Gedicht aus dem Zyklus „Widmung“
Gedichte von Liebe
und Grafiken von Annelotte Semrau
In den Tagen
in denen unsichtbare feine Fäden
der Gedanken
sich wie ein Netz
über den Alltag legen
die Unvernunft der Vernunft weicht
wird der schale Schluck
in einem Humpen
dir dein Leben offenbaren
gefühlte Ewigkeiten verbracht
in der zähen Masse des
Unverstandes
der Gleichgültigkeit
bis die Kralle der Erlösung
die Erkenntnis
für die Verantwortung
Licht ins Dunkel brachte
als Zeichen der Hoffnung
Nicht aus seiner Haut

Könnt aus meiner Haut ich fahren,
wo wollte ich dann hin?
Dann wär ich nackter noch als nackt,
wär weniger als ich bin.

Man redets sinnlos oft dahin:
Nicht aus seiner Haut!
Ists nicht genug, man wär voll drin
statt zu sehen wo sich was staut?

Wo sich verdickt das Blut in einem,
man ja, könnt ja wieder fahren....
doch schließlich nimmt man alles hin
was so da kam in all den Jahren.

Es sind so viele Sprüche,
die taugen nichts wenn man sie wägt,
sie sich als bare Münze denkt,
weil das Leben sie nicht trägt.

Gedicht "Nicht aus seiner Haut"
von Siegfried Baudach
Publikationen
Über uns
Termine
Autor ipsum
Impressionen
Kontakt
Impressum
DATENSCHUTZ DSGVO